10-jähriges PASCH-Jubiläum

Ihre Oma, die früher selbst Deutsch in der Schule gelernt hat, sagte ihr einmal, dass es für ihre Zukunft sehr nützlich sein würde, Deutsch zu können. Und so entschied sich Hajar Malikova dafür, diesem Ratschlag zu folgen und lernte ab der fünften Klasse Deutsch am Klassischen Gymnasium Nr. 160 in Baku. Diese Schule ist eine sogenannte PASCH-Schule, das heißt die Schule nimmt seit 2008 an der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) teil. An PASCH-Schulen in Aserbaidschan wird den Schülern das Ablegen des Deutschen Sprachdiploms (DSD) angeboten, welches den Absolventen erlaubt, sich auf einen Studienkollegplatz in Deutschland zu bewerben. 2018 wird nun das zehnjährige Jubiläum der Initiative gefeiert.

Hajar erhielt ihr DSD in der neunten Klasse, absolvierte noch einen C1-Sprachkurs am Goetheinstitut und studiert mittlerweile Medizin in Frankfurt am Main. Dabei wird sie von einer Stiftung finanziell unterstützt. Auf dem Weg dorthin waren der Deutschunterricht an ihrem Bakuer Gymnasium und das DSD die entscheidenden Türöffner für Hajar. Seit 2008 werden die Deutschstunden von deutschen Lehrern gehalten, die ausschließlich auf Deutsch mit den Schülern kommunizieren. Besonders schön fand die junge Aserbaidschanerin, dass im Unterricht so viel gesprochen und diskutiert wurde: „Wir mussten eigentlich nie stumpf Vokabeln auswendig lernen oder nur Grammatikübungen machen. Der Unterricht war sehr lebendig.“

2016, direkt nach dem Abitur in Baku und mit gerade einmal 17 Jahren wurde Hajar in das Studienkolleg in Frankfurt aufgenommen, um sich gemeinsam mit Studienbewerbern aus der ganzen Welt die Zulassungsbedingungen für ein Studium der Humanmedizin zu erarbeiten. Als eine der wenigen schaffte sie den dafür nötigen Abschluss und durfte sich 2017 an der Goethe-Universität für Medizin einschreiben. Der Einstieg in Deutschland war für sie dabei nicht ganz problemlos: „Um gute Noten am Studienkolleg zu erhalten, muss man anders lernen und arbeiten als ich es aus Aserbaidschan gewohnt war. Daran musste ich mich erst anpassen.“ Einen Kulturschock oder Ähnliches erlebte sie dagegen nicht. Von einem vierwöchigen Gastfamilienaufenthalt mit dem Pädagogischen Austauschdienst (PAD) in Deutschland („Das war der vielleicht beste Monate meines Lebens!“) und der Teilnahme an der Internationalen Deutscholympiade 2014 während ihrer Schulzeit kannte sie bereits viele Seiten der deutschen Lebensart; „und außerdem habe ich mit der Anpassung an fremde Kulturen ohnehin kaum Schwierigkeiten.“ Auch Freunde fand sie schnell – erst die vielen jungen Menschen im Studienkolleg, die ähnliche Ziele wie sie hatten, und dann die Kommilitonen aus ihrer Seminargruppe im Medizinstudium.

Fragt man Hajar, wem sie für ihren Werdegang besonders dankbar ist, fällt ihr das Antworten zunächst schwer. Nach kurzem Überlegen sagt sie aber, „Allen! Meiner Oma für den Ratschlag, meinen Eltern und meiner Familie für die Unterstützung in jeder Hinsicht, und meinen Deutschlehrern an der PASCH-Schule in Baku, die mir Lust auf die deutsche Sprache und Deutschland gemacht haben und mir die Möglichkeit aufgezeigt haben, in Deutschland ein Studium aufzunehmen.“ Dabei unterschlägt sie, dass sie selbst sehr ambitioniert und sprachbegabt ist. „Ich habe kein besonderes Talent für Sprachen, aber schon immer ein riesiges Interesse an Deutschland und meinen Bildungsperspektiven gehabt.“, sagt sie in akzentfreiem Deutsch.

Hajar kann sich gut vorstellen, nach dem Abschluss ihres Studiums den deutsch-aserbaidschanischen Beziehungen verbunden zu bleiben und beide Lebenswelten miteinander zu verknüpfen. Sie möchte sich für die medizinische Ausbildung in Aserbaidschan stark machen, denn viele Aserbaidschaner wollten und könnten gute Ärzte werden, meint sie. „Es gibt großes Potential. Wegen der geringen Gehälter hier zieht es viele junge Mediziner aus Aserbaidschan aber zum Beispiel nach Mitteleuropa.“ Sie will dieser Entwicklung entgegenwirken und hegt deshalb den Traum, sich für mehr Kooperationen zwischen deutschen und aserbaidschanischen Krankenhäusern einzusetzen, die das aserbaidschanische Gesundheitswesen nachhaltig unterstützen und jungen Ärzten hier bessere Perspektiven geben.

Neben Hajar haben auch einige ihrer Klassenkameraden von der PASCH-Schule den Sprung nach Deutschland gewagt, um dort zu studieren. Vielleicht wird ihre jüngere Schwester ja auch in ihre Fußstapfen folgen – sie hat am Klassischen Gymnasium Nr. 160 in Baku gerade ihr DSD-Zertifikat erhalten und strebt nun ebenfalls ein Medizinstudium in Frankfurt an.

Weitere Informationen zu der PASCH-Initiative und dem diesjährigen Jubiläum finden Sie hier.

Interview mit Hajar Malikova, PASCH-Alumna

Hajar Malikova mit dem Berlin Buddy Bear in Baku